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Aktuelles über automatisierte Bögen,
Meldung an das BfArM, Bonn
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B O
Institut für
Biofunktionelle Orthodontie |
Dr. Georg Risse
Bogenstr. 15/16
48143 Münster
Germany
Tel.: +49-251-8996830
Fax.:+49-251-44097
E-mail: risse@ibo-tech.de
http://www.ibo-tech.de
http://www.risse-tech.com
Münster, 08.09.03WI
E/Rsch |
- Bezirksregierung Münster
Alter Steinweg 44
48128 Münster
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM),
Friedrich - Ebert - Allee 38
53 113 Bonn
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Betr.:
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Schädigungsmeldung, Gefährdungsmeldung über die Gruppe von superelastischen Bögen, Ni-Ti Bögen
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Sehr geehrte Damen und Herren,
nach der zahnärztlichen Berufsordnung ist jeder Zahnarzt verpflichtet, Gefährdungen und Schädigungen bei Ihnen zu melden. Mit diesem Schreiben melde ich somit Schädigungen und Gefährdungen durch orthodontische Drähte der Gruppe der superelastischen Drähte und der Gruppe der Ni-Ti Bögen an.
Nach den "Richtlinien des Bundesausschusses der Zähnärzte und Krankenkassen für die kieferorthopädische Behandlung" vom 04. Juni 2003 gilt:
"B. Vertragszahnärztliche Behandlung:
§ 11 Werkstoffe, bei denen nach dem jeweiligen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse der begründete Verdacht besteht, dass sie schädliche Wirkungen haben, dürfen nicht verwendet
werden."
Dieses trifft auf die Anwendung superelastischer, kaum oder gar nicht individuell gestalteter und gestaltbarer Bögen zu. Das Gefährdungsausmaß durch diese Bögen ist extrem groß, da diese Bögen im allgemeinen arglos und unkritisch eingesetzt werden, da man angeblich auch bei größerer Auslenkung keine größeren Kräfte produzieren könne. Dieses ist unter klinischen Bedingungen falsch. Auch die lange kontinuierliche Wirkung dieser Bögen, die fast ohne Abnahme der Kraftgröße geschieht, führt nach neuester Kenntnis zu erheblichen Wurzelschäden und Parodontalschäden. Wurzelschäden treten in Form von lokalem Abbau der Wurzel in Umfang und Länge der Wurzel auf. Verkürzung der Wurzellänge führt bei späterer Parodontose zu vorzeitigem Verlust der Zähne.
Gerade die Frontzähne sind u.a. wegen der Bogensteifigkeit in diesem Bereich besonders betroffen.
Die Gefährdung ist auch aus einem zweiten Grunde sehr groß, da diese vorgeformten, standardisierten und automatisierten, hochelastischen Bögen die höchste Einsatzquote haben. Dieses ist begründet durch ihre leichte Handhabbarkeit, durch ihre schnellen Scheinerfolge und auch wegen ihrer schnellen Abrechenbarkeit.
Nach den jetzt vorliegenden Erkenntnissen und den obigen Gesetzesvorschriften sind diese Bögen der superelastischen, standardisierten, automatisierten Gruppen nicht mehr verwendbar und auch nicht abrechnungsfähig.
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I Warnung durch die Hochschullehrerschaft
Die Deutsche Hochschullehrerschaft hat in der letzen Ausgabe (2000) des deutschen Standardlehrbuches für die Kieferorthopädie eindringlich vor der Verwendung der sog. Straight-Wire-Technik, also der Verwendung gerader Bögen, die nicht oder kaum individuell gestaltet werden oder werden können,
gewarnt:
Lehrbuch Standardwerk Kieferorthopädie I, 4. Auflage 2000, S. 6-11
"Andererseits wird klar, dass die rezente Straight-wire-Mechanik mit vorprogrammierten Brackets nicht den individuellen funktionellen und parodontalen Anforderungen gerecht werden kann."
"Die Grundprobleme herkömmlicher Straight-Wire-Techniken bestehen in:
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unkontrollierter Nivellierung
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unbekannten, statisch nicht definierten Kräftesystemen
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unkontrollierbarer Friktion bei bogengeführten Zahnbewegungen
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unzureichender Kontrolle über individuellen
Torque, Intrusion, Verankerung."
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II Warnung vor superelastischen Drähten durch diverse Veröffentlichungen:
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durch fehlende Richtungskomponenten
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durch nichtlineare Kraftwirkung
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durch falsche Krafteinschätzung superelastischer Bögen und ihrer angeblich niedrigen Kraftentfaltung
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Zu a) Fehlende Richtungskomponenten
Die sog. Gruppe der hochelastischen Drähte, Ni-Ti Gruppen, zeichnen sich durch niedrige kontinuierlich wirkende Kräfte aus, und dadurch, dass sie kaum oder gar nicht individuell gestaltbar sind, also keine
ausrechende, individuelle Richtungskomponente eingegeben werden kann. Das Institut für Bio-Funktionelle Orthodontie (IBO) weist wie die Hochschullehrerschaft seit langem darauf hin, dass ein Bogen ohne individuelle Gestaltung oder gar ohne oder kaum mögliche Gestaltbarkeit wegen der fehlenden Richtungskomponente höchst gefährlich ist, nicht als Therapie gewertet werden kann und zusätzlich zu den Schädigungen der Einzelzähne eine Reihe von Schädigungsmöglichkeiten, wie Gelenksschäden, Gesichtsschmerzsyndromen und Migräne verursachen kann.
Über Zahnschädigungen gibt es eine umfangreiche Literatur u.a.:
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R.M. Faltin et al.,
Root Resorptions in Upper First Premolars after Application of Continuous Intrusive Forces,
J. Orofac. Orthop./Fortschr. Kieferorthop. 1998; 59:208-19 (Nr. 4):
Massive Wurzelschäden bereits nach 4 Wochen.
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D. Drescher et al:
"Die Nivellierung - gefährlichste Phase der orthodontischen Therapie?
Jahrestagung DG-KFO, Hamburg 2002:
"Ergebnisse:
Die Patienten dokumentierten beträchtliche Schmerzsensationen, deren Maximum innerhalb von 24 Stunden nach Eingliederung der Apparatur auftrat. Bei der rasterelektronenmikroskopischen und histologischen Analyse zeigten sich vor allem im zervikalen Drittel der Wurzeln ausgedehnte Resorptionslakunen, die bereits tief in das Dentin hinein reichten"
Dieser Vortrag ist nach meinem jetzigen Kenntnisstand bis heute, wahrscheinlich wegen seiner Brisanz, nicht veröffentlicht worden, wohl jedoch der dazugehörige Abstract. (V
47, 2002, DGKFO, Hamburg)
Zu b) Nichtlineare Kraftwirkung
Neben dieser fehlenden Richtungskomponente bei automatisierten Drähten, Ni-Ti-Gruppen und ihren Gefährdungen warnt das Institut für Bio-Funktionelle Orthodontie (IBO),
in Verbindung mit der Universität Graz, vor der kontinuierlich wirkenden, sog. nicht linearen Kraftwirkung von Drähten, da keine ausreichenden Erholungsphasen
vorliegen.
Hierzu zitiere ich einen neuerlichen Artikel aus dem European Journal of Orthodontics, 25 (2003) 335-342, (Habilitationsarbeit):
F. Weiland:
"Constant versus dissipating forces in orthodontics: the effect on initial tooth movement and root resorption".
In diesem Artikel wird die nichtlineare, kontinuierliche Wirkung von sog. niedrigen, aber kontinuierlich wirkenden Kräften durch superelastische Drähte, Ni-Ti-Gruppen gegenüber linear wirkenden, abnehmenden Kräften bei Stahldrähten untersucht. F. Weiland kommt zu dem Ergebnis, dass es bereits innerhalb von 12 Wochen bei einer einfachen Bewegung zu 140 %ig größerer Wurzelschädigung bei der Verwendung superelastischer Materialien kommt als bei der Verwendung von Stahldrähten mit kontinuierlicher Abnahme der Kraft.
"Perimeter, area, and volume of the resorption lacunae on the teeth of the "superelastic group" were 140 per cent greater than on the teeth of the
"steel group".
Zu c) Superelastische Bögen und ihre angebliche niedrige Kraftentfaltung
Die superelastischen Drahtmaterialien sollen eine extrem niedrige und gleichbleibend niedrige Kraftgröße entfalten, wodurch angeblich keine Schäden durch zu große Kräfte bei größerer Auslenkung eintreten können.
Dieses mag zutreffend sein für ein gerades Stück Draht oder für das distale Ende eines Bogens. Im vorgekrümmten anterioren Bogenbereich treten beim gleichen Stück Draht
erheblich größere Kraftgrößen auf.
Auch treten über die Diagonale eines Vierkandbogens erheblich größere und schädigende Kräfte auf. Da die Drahtsteifigkeit meistens über die schmale Seite gemessen wird (second
order bends), werden auch hier wesentlich niedrigerer Kraftgrößen gemessen als über die breitere Seite, den first
order bends. Torqueverwindungen über Zahnkippungen im gebogenen Frontbereich des Drahtbogens und über die Diagonalkanten ergeben wiederum erheblich viel größere Kräfte.
Somit ist die vielfach verbreitete Meinung, dass man angeblich mit hochelastischen Drähten keine großen Kräfte verursachen könne (wegen ihrer Nichtlinearität) und man jede, auch extreme elastische Auslenkung sorglos einbinden könne, ohne Schäden durch zu große Kräfte zu verursachen, gründlich falsch!
Da eine extrem hohe Anzahl von superelastischen Drähten im ständigen Gebrauch ist, bitte ich umgehend um eine schnelle offizielle und öffentliche Warnmitteilung.
Die CE Normierung dieser Gruppen aus standardisierten, automatisierten und superelastischen Drähten ist
abzuerkennen, da sie nicht nur in Verdacht stehen, erhebliche und durch
ihre Einsatzfrequenz schädigende Wirkungen haben, sondern durch die
vorgetragenen wissenschaftlichen Untersuchungen diese auch
überproportional verursachen.
Die Voraussetzungen für eine kassenrechtliche Abrechenbarkeit sind nicht gegeben.
Hochachtungsvoll
Dr. Georg Risse
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© 2003 - Dr.
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