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19.01.2004
Aktuelle
Warnmitteilung an
KZV-WL und Kammer-WL
| I
B O
Institut für
Biofunktionelle Orthodontie |
Dr. Georg Risse
Bogenstr. 15/16
48143 Münster
Germany
Tel.: +49-251-8996830
Fax.:+49-251-44097
E-mail: risse@ibo-tech.de
http://www.ibo-tech.de
http://www.risse-tech.com
Münster, 16.01.04WI,
E/Rsch |
KZV-Vorstand Westfalen-Lippe
Auf der Horst 25
48147 Münster
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Betr.:
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- Warnmitteilung bei der Anwendung und Abrechnung rezenter Orthodontie in Theorie und Praxis
- Paradigmenwechsel in der Orthodontie durch COE, Council on Education, USA,
und durch die Fachvereinigung Deutscher Kieferorthopäden
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Sehr geehrte Damen und Herren,
mit diesem Schreiben informiere ich Sie offiziell darüber, dass mit Beginn 2003 national wie international Paradigmenwechsel in der Orthodontie (Multibandtechnik) eingetreten sind und veröffentlicht wurden. Die entsprechenden Paradigmenwechsel liegen als Veröffentlichung durch das Fachjournal der Fachvereinigung Deutscher Kieferorthopäden,
UOO/COO, Umfassende Dentofaziale Orthodontie und Kieferorthopädie (UOO), Comprehensive Dentofacial Orthodontics and Orthopedics (COO), diesem Schreiben bei.
Diese Paradigmenwechsel sind, wie der Begriff "Paradigma" besagt, grundsätzlich und legen nahe, die bisherige Orthodontie in Theorie und Praxis sowie in Materialien nicht mehr anzuwenden wegen akuter Gefährdung, Schädigung und Unwirtschaftlichkeit.
Kurzbegründung, Näheres, siehe beigelegte Artikel
COE/USA: Wechsel von mechanisch dominierter Biomechanik hin zur Dominanz von "Bio" in Biomechanik. Dieses bedeutet, die Realität zu respektieren, dass jede Mechanik von Brackets und Bögen über die Wurzeln im biologischen Raum wurzelt: Jegliche Bewegung eines Zahnes unterliegt weniger oder gar nicht physikalischen Gesetzen wie bislang gelehrt, sondern biochemischen. Hieraus ergeben sich völlig andere Grundlagen für Behandlungskonzepte und Materialien.
Es wurden bislang schlichtweg biochemische Gesetzesbereiche mit physikalischen Gesetzesbereichen verwechselt.
Burstone definierte die Orthodontie oder den mechanischen oder biologischen Bedarf durch die sog. "active members", "aktive Elemente" gleich biologischer Bedarf und "reactive members", "reaktive Elemente", den technischen Bedarf (siehe
Anhang).
Nach Burstone und der Definition der "active members" und der "reactive members" wird die Ausrichtung der Orthodontie in eine mechanische oder biologische definiert. Die bisherige Orthodontie verlagerte sich eindeutig nach Burstone auf die "reaktiven Elemente" der Mechanik, Physik und mechanische Verankerung. Dieses hat wiederum nach Burstone mit rezenter Orthodontie zwingend zur Folge, dass großvolumige Slothöhen erforderlich sind für dicke, rigide Drähte für eine rigide Verankerung.
Vertikale Slot-Dimensionen (Burstone)
- Das "Kaliber" der orthodontischen Maschine -
"Optimale occluso-gingivale Slot-Dimensionen werden von den maximalen elastischen Lasten bestimmt, welche von den aktiven und reaktiven Bereichen verlangt werden.
Eine sichere Regel würde sein, das Gerät auf der Basis der
reaktiven Teile zu konstruieren, um sicherzustellen, dass das Bracket und seine Röhrchenschlösser (Fräsung) für eine rigide Kontrolle der Verankerungsmechaniken ausreichend groß sind. Es wäre ein Fehler, das Gerät vorzugsweise auf der Basis der aktiven Elemente zu konstruieren, um dann feststellen zu müssen, dass man Slots verwendet, welche relativ zu schmal sind, um die Verankerungszähne zu kontrollieren, um den Kaukräften zu widerstehen."
(Burstone in: Orthodontics, Current Principles and Techniques, Third Edition 2000, page 284/85, // 1985, S. 221)
Das Ergebnis ist: Slotkaliber von: .018 x .025 bis .022 x .028
Die Entscheidungen der COE, 2003, und der Fachvereinigung Deutscher Kieferorthopäden, 2003, legen fest, dass diese Weichenstellung der Verlagerung der rezenten Orthodontie auf die "reakiven Elemente", Materialien, Dimensionen sowie Gesetzmäßigkeiten im biologischen Bereich falsch war.
Dieses bedeutet, ebenfalls nach Def. der "active members" und den Paradigmenwechseln 2003, zwingend einen Wechsel von großvolumigen Slots .018 x .025 und .022 x .028 auf kleinere Slotvolumina und auf wesentlich dünnere Drahtmaterialien vorzunehmen, da diese, auch nach Def. der "active members", dem biologischen Bedarf sowie der klinischen Beherrschbarkeit entsprechen.
Dicke Stahldrähte bereits von der Größenordnung .015 x .020 aufwärts sind klinisch über die Kraftgröße nicht ausreichend beherrschbar und dosierbar.
Die bislang geübte Praxis in der rezenten Orthodontie, große Slotvolumen und dicke Führungsdrähte beizubehalten und dennoch kleine Kraftgrößen durch spezielle Legierungen zu erzielen, haben den Nachteil, dass diese Legierungen in der Regel praktisch nicht oder nicht ausreichend individuell gestaltbar sind, somit eine gezielte individuelle Richtungsgebung praktisch unmöglich ist.
Daraus entwickelten sich Behandlungen und Behandlungsverfahren auf der Basis von Zufälligkeiten, speziell in der Nivellierungsphase, welche in bisheriger Praxis ebenfalls als Körperverletzung einzustufen sind.
Wegen der Bogenkrümmung im anterioren Bereich eines Behandlungsbogens treten dort trotz niedriger Kraftkonstanz dieser speziellen Legierungen bei geraden Drahtstücken im anterioren Bogenbereich dennoch fast regelmäßig wesentlich größere Kräfte durch die Bogenform und durch Verkantungen auf. Die Schädigungsmöglichkeit der Zahnwurzeln ist nach Weiland (Habilarbeit Graz, ZF, Zahnärztliche Forschung, der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde des Quintessenzverlags-GmbH, Berlin, 2001 A 880) durch automatisierte Drähte um 140% höher als bei Stahldrähten.
Die Hochschullehrerschaft hat in ihren offiziellem Standardlehrbuch bereits 2000 vor einer Anwendung von konfektionierten, nicht individualisierten Bögen, der sog. Straight-Wire-Technik, wie sie jetzt im neuen Gesundheitsreformgesetz 2004 vorgesehen ist, ausgiebig gewarnt: Schmuth, G. / Diedrich, P.: Lehrbuch Kieferorthopädie I, Orofaciale Entwicklung und Diagnostik, 4. Auflage, Urban und Fischer, München, Jena (2000), S.: 6-11:
"Andererseits wird klar, dass die rezente Straight-wire-Mechanik mit vorprogrammierten Brackets nicht den individuellen funktionellen und parodontalen Anforderungen gerecht werden kann."
"Die Grundprobleme herkömmlicher Straight-Wire-Techniken bestehen in:
- unkontrollierter Nivellierung
- unbekannten, statisch nicht definierten Kräftesystemen
- unkontrollierbarer Friktion bei bogengeführten Zahnbewegungen
- unzureichender Kontrolle über individuellen Torque, Intrusion, Verankerung."
Schlussfolgerung:
Durch die offiziellen Paradigmenwechsel dürfen bisherige Materialien, Slot-Dimensionen, übergroße Drahtdimensionswerte, Drahstärken, automatisierte Bögen, konfektionierte Standardbögen nicht mehr eingesetzt werden und müssen als unwirtschaftlich und im höchsten Grad als körperschädigend eingestuft werden.
Zweiter Paradigmawechsel
Die bislang zugrundegelegte Anatomie in der rezenten Orthodontie, speziell die Schlüssel II und VI nach Andrews, welche die Angulation der Zähne, speziell der Oberkiefer-3er und die Molaren betrifft, ist nach evidenz-basierter Lehre der "Funktionellen Anatomie nach Schumacher" als grob falsch einzustufen, siehe beiliegenden Artikel UOO/COO, 3-4,2003.
Schlussfolgerung:
- Eine Behandlungsweise nach bisheriger anatomischer Definition der Zahnangulationen und der Occlusionskurve nach rezenter Orthodontie verursacht danach erhebliche Gefahren und komplexe Schädigungsmöglichkeiten für Fehlbehandlungen durch Verankerungsverlust, unnötige Extraktionen, Wurzelresorptionen, Gelenksschäden, Gesichtsschmerzsyndrome und Parodontose durch Frühkontakte und Fehlbelastungen durch Fehlangulationen.
- Der Einsatz eines jeglichen konfektionierten Drahtes, der nicht individualisiert wurde, ist aus behandlungstechnischen und anatomischen Gründen als Körperverletzung und als unwirtschaftlich einzustufen - siehe auch Lehrbuch Diedrich/Schmuth, Veröffentlichungen Fachvereinigung Deutscher Kieferorthopäden.
Dritter Paradigmawechsel
Die Fachvereinigung Deutscher Kieferorthopäden hat zusätzlich die Integration der individuellen funktionellen Kräfte in die orthodontische festsitzende Multibandbehandlung gefordert. Dieses ist mit den groben oder automatisierten Drähten und der geforderten technischen Präzision rezenter Lehrmeinung nicht möglich. Für diese elementare Grundforderung sind theoretische Kenntnisse bisheriger Lehrmeinung nicht vorhanden, können aber auch nach der Wissenschaft zur Steuerung komplexer Systeme, also der Systemphysik nicht mit metrischer, technischer Präzision rezenter Orthodontie gelöst werden, siehe Fuzzy Logic, Unschärfenpräzision und Inkompatibilitätsgesetz.
Schlussfolgerung:
Die bisherige gelehrte Lehre der offiziellen rezenten Orthodontie ist in allen wesentlichen materialtechnischen Voraussetzungen, in den Voraussetzungen der geltenden Gesetzesbereiche, der Anatomie, der funktionellen Anatomie, der Beherrschbarkeit und in ihren Behandlungsmethoden als grundsätzlich falsch und im höchsten Maße als gefährdend einzustufen. Die rezente Orthodontie ist geprägt durch elementare Wissensdefizite. Die Unwirtschaftlichkeit ergibt sich daraus automatisch und ist vom Gesundheitsministerium bereits 2001 von Rüdiger Saekel, Ministerialrat a.D., als katastrophal wie folgt definiert worden:
- "Nur ca. 37,8% kieferorthopädischer Behandlungsabschlüsse sind als akzeptabel einzustufen." (Man beachte auch, "nur, als akzeptabel").
- "In Deutschland stellen Patienten in rd. 40% der Fälle Rezidive, rückläufige Veränderungen nach einer kieferorthopädischen Behandlung, fest."
- "Auch eine hohe Anzahl von Verlängerungsanträgen spricht für eine erhebliche Anzahl von Rezidiven." (Ein Verlängerungsantrag wird in der Regel nach einer Behandlungsdauer von 4 Jahren (!) gestellt.)
Das Gesundheitsministerium zieht nach Rüdiger Saekel, Ministerialrat a. D., den Schluss:
"Trotz langer Behandlungszeit, regelmäßiger Betreuung und laufender Kontrollen der Patienten sowie hoher Behandlungskosten sei es nicht zweifelsfrei gelungen, positive Langzeiteffekte kieferorthopädischer Behandlungen für die Mundgesundheit zu belegen."
Die Bio-Funktionelle Orthodontie (BFO) ist seit dem 30.03.03 offiziell bei der Bundeszahnärztekammer registriert worden und gilt als die neue anzuwendende Orthodontie, da sie von internationalen wie nationalen Gremien und von der Wissenschaft (externe Evidenz) bestätigt wurde.
Nach diesen Vorgaben ist jeder Praktiker rechtlich verpflichtet, sowohl auf die Fehler und Schädigungsmöglichkeiten sowie auf die Unbeherrschbarkeit rezenter Orthodontie aufmerksam zu machen, als auch über die Bio-Funktionelle Orthodontie (BFO) aufzuklären. Nichtbefolgen entspricht dem "Verstoß unterlassener Aufklärung" mit entsprechenden Haftungsmöglichkeiten.
Nach dem Reformgesetz 2004 haftet der Vorstand persönlich bei Nichtumsetzung von Qualität und Wirtschaftlichkeit. Die KZV hat Sorge dafür zu tragen, diese Warnmitteilungen an die Kollegen und die Patienten weiterzuleiten.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Georg Risse
Durchschriftlich an den Vorstand der Kammer Westf.-Lippe.
Anhang:
Fachjournal:
UOO/COO Umfassende Dentofaziale Orthodontie und Kieferorthopädie (UOO), Comprehensive Dentofacial Orthodontics and Orthopedics (COO), 1-2 / 3-4, 2003:
- VII. Internationales Wissenschaftsforum, Jakarta (Indonesien), 2002, "Main Lecture":
"Der Paradigmawechsel von Klassischer Physik zur Neuen Physik, von Rezenter Orthodontie zur Neuen Orthodontie".
- Das Council on Education, COE, USA, 2003, erkennt Paradigmawechsel in der Orthodontie.
- Die "Straight-Wire-Apparatur", die "Spee-Kurve" und Zahnangulationen
- Zwei Editorials der Fachvereinigung Deutscher Kieferorthopäden.
- Internet: www.ibo-tech.de
Definitionen: "Aktive Elemente" - "Reaktive Elemente":
"Aktive Elemente"
Vertreter der zu bewegenden Bereiche mit biologischer
Grundlage, biologischer Bedarf (Burstone)
"Für die zu bewegenden Bereiche und Elemente ist aus zwei wesentlichen Gründen eine niedrige Lastbiegrate erforderlich:
- Ein Mechanismus mit einer niedrigen Lastbiegrate hält einen mehr, (und) wünschenswerten Belastungsgrad (in Größe und Dauer, "level") im PDL, dem Parodontalbereich, aufrecht, da die Kraft auf einen Zahn sich nicht ständig radikal ändert, wenn der Zahn bewegt wird und wurde;
- ein Federelement mit einer niedrigen Lastbiegrate stellt bessere Voraussetzungen zur Verfügung, um die Größe der Kraft mit größerer Genauigkeit und Zuverlässigkeit besser zu kontrollieren und zu dosieren.
Beispiel: Wenn eine Feder mit einer
hohen Lastbiegrate benutzt wird (z.B. bei einem vertikalen Vierkantloop), mag die Lastbiegrate 1000g/mm sein; dieses kann bei einem Biege- und Einbindungsfehler von
1mm einen Aktivierungsfehler der Kraftgröße von gleichen 1000g verursachen.
Wenn jedoch eine Feder mit einer niedrigen Lastbiegrate verwendet wird, eine solche etwa mit einer Lastbiegrate von etwa
10g/mm, betrifft ein Aktivierungsfehler von 1mm das Kraftausmaß von nur 10g.
Elastische Bogenelemente mit einer niedrigen Lastbiegrate erfordern lange Aktivierungsbereiche, um die optimale Kraftwirkung aufzubauen; hierdurch geben diese dem Orthodonten bessere Möglichkeiten, die Größenordnung von Kraft besser zu kontrollieren und zu beherrschen."
Burstone 1985/2000
"Reaktive Elemente"
Burstone
Verankerungsbereich, technischer Bereich
für die Verankerungselemente (reaktive Elemente)
- "Wenn eine niedrige Lastbiegrate eines Drahtes für die aktiven, zu bewegenden Teile eines Gerätes wünschenswert ist, so trifft genau das Gegenteil zu für die reaktiven
Verankerungselemente.
- Das Verankerungselement sollte relativ rigide sein; das bedeutet, es sollte eine hohe Lastbiegrate besitzen.
- Kurz dargestellt: die Lastbiegrate ist ein Indikator einer Kraft, die erforderlich ist, um einen Draht um eine bestimmte Einheit auszulenken."
Ch. J. Burstone in Orthodontics, Current Principles and Techniques 1985 page 204 /
(T.M. Graber, Robert Varnasdall, Jr. Third Edition 200 page 270
Vertikale Slot-Dimensionen
(Burstone)
- Das "Kaliber" der orthodontischen Maschine -
"Optimale occluso-gingivale Slot-Dimensionen werden von den maximalen elastischen Lasten bestimmt, welche von den aktiven und reaktiven Bereichen verlangt werden.
Eine sichere Regel würde sein, das Gerät auf der Basis der reaktiven Teile zu konstruieren, um sicherzustellen, dass das Bracket und seine Röhrchenschlösser (Fräsung) für eine rigide Kontrolle der Verankerungsmechaniken ausreichend groß sind. Es wäre ein Fehler, das Gerät vorzugsweise auf der Basis der aktiven Elemente zu konstruieren, um dann feststellen zu müssen, dass man Slots verwendet, welche relativ zu schmal sind, um die Verankerungszähne zu kontrollieren, um den Kaukräften zu widerstehen."
(Burstone in: Orthodontics, Current Principles and Techniques, Third Edition 2000,
page 284/85, // 1985, S. 221)
Das Ergebnis ist: Slotkaliber von: .018 x .025 bis .022 x .028
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