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Kieferorthopädie / Orthodontie
Kieferorthopädie
(herausnehmbare Geräte)
Kieferorthopädie,
herausnehmbare Geräte teilt man
grundsätzlich in zwei Kategorien auf:
- SPANGEN
- FUNKTIONSKIEFERORTHOPÄDISCHE
GERÄTE
SPANGEN:

Spangen sind herausnehmbare Geräte meist
aus Kunststoff für den Oberkiefer oder Unterkiefer. Sie sind aktive
Geräte überwiegend zur transversalen Dehnung der Kiefer.
Sie haben Halteelemente zur Haftung des Gerätes im jeweiligen Kiefer.
Im Kunststoffteil ist eine Schraube angebracht, welche zur Dehnung
aufgedreht wird. Es wirken also aktive Kräfte, welche von der Spange
über die Zähne auf die Kiefer ausgehen.
FUNKTIONSKIEFERORTHOPÄDISCHE
GERÄTE:
Funktionskieferorthopädische Geräte
sind meist aus Kunststoff bestehende Geräte, welche die obere und
untere Spange in einem ganzen Gerät
vereint, jedoch keine Haftelemente zum Fixieren des Gerätes im Kiefer
haben, oder nur im Oberkieferbereich.
Mit diesen Geräten wird nicht aktiv
gedehnt, sondern die Lage des Oberkiefers
und des Unterkiefers zueinander durch Stimulation der Wachstumspotentiale
gesteuert .
Die Breitenentwicklung, welche durch
kaufunktionelle Impulse bewirkt wird,
wird durch "Nachstellen" einer zentralen Schraube oder einer
transversalen Feder im Gerät nachvollzogen
und angepasst. Es wirken also vom
funktionskieferorthopädischen Gerät eher sog. passive, impulsartige
Kräfte auf individueller biologisch-
funktioneller Basis.
Der Einsatz dieser herausnehmbaren
Geräte kann früh, sogar
im reinen Milchgebiss, jedoch überwiegend im Wechselgebiss oder auch
im bleibenden Gebiss zur Wirkung kommen.
Mit den Einzelgeräten (aktiv wirkende
Spange) kann man speziell den Oberkiefer
sehr effektiv dehnen, den Mundraum für die Zunge weiten, die Nasenatmung
fördern und die Lage und den späteren Durchbruch der bleibenden
Zähne verbessern und steuern. Auch können durch eine frühe Dehnung
und Platzgewinn Wurzelschäden speziell an den oberen Frontzähnen
durch ungünstige Lage der Eckzahnkronen
verhindert werden.
Die Dehnspangen sind somit Wegbereiter
für einen verbesserten Zahnwechsel
und eine verbesserte Zungenfunktion, welche für die Sprachentwicklung
eine wesentliche Voraussetzung ist. Jedoch ist eine richtige
Schluckfunktion auch die Voraussetzung für die richtige Einstellungsmöglichkeit
der Lage des Oberkiefers zum Unterkiefer insgesamt
(speziell bei einer primär starken Rücklage des Unterkiefers). Ganz
besonders wichtig ist ein richtiges Schluckmuster (Myofunktion) der
Zunge für die Zeit nach einer
kieferorthopädischen Behandlung. Ist
die Zungenfunktion nicht richtig (nicht physiologisch), so können
kleine, aber ärgerliche Frontengstände, im
Oberkiefer und Unterkiefer nach einer
Behandlung und/oder stärkere Rückwärtsbewegungen (Rezidive) der
Kiefer zueinander in den alten Zustand von vor der Behandlung eintreten.
Nach einer vorbereitenden Wirkung für
die Platzverhältnisse durch Dehnspangen
werden daraufhin zur Korrektur der Lage der Kiefer zueinander
Funktionskieferorthopädische Geräte, also Wachstumsstimulatoren
eingesetzt. Diese können auch ein nicht normales (nicht
physiologisches) Verhalten und Zusammenspiel der Zungenmuskulatur
mit den äußeren Wangen- und Kaumuskeln
verbessern, koordinieren oder auch
korrigieren. Man sollte sich hier jedoch nicht nur auf die Geräte
verlassen, sondern regelmäßig die
Myofunktion bewusst machen und mitbehandeln.
Das Thema Myofunktion
wird noch speziell behandelt.
Mit dem späten Wechselgebiss und dem
beginnenden bleibenden Gebiss werden
dann die festsitzenden Geräte (Multiband) zum Einsatz kommen können.
Damit nicht Behandlungszeiträume vom 6.
bis zum 14. Lebensjahr auftreten,
müssen Frühbehandlungen mit Geräten kurzfristig durchgeführt werden,
und werden dann für längere Zeit unterbrochen.
Wenn keine extremen Platz- und
Lageanomalien vorliegen, kann als Faustregel
gelten, dass ein Kind mit ca. 8 Jahren dem Fachzahnarzt für Kieferorthopädie
zur ersten Kontrolle vorgestellt werden sollte.
Herausnehmbare Geräte sind somit für
eine Frühbehandlung oder Vorbehandlung
sehr gut geeignet, jedoch haben sie auch Nachteile.
Nachteile herausnehmbarer
Geräte:
Erster Nachteil:
Sie engen mit ihrem Kunststoffanteil den
Mundinnenraum ein und behindern das
normale Sprechen, und somit werden sie tagsüber weniger
gern getragen.
Zweiter Nachteil:
Lose im Mund liegende Funktionsgeräte fallen nachts leichter
heraus.
Dritter Nachteil:
"Herausnehmbare Geräte" sind herausnehmbar! Neben
der Möglichkeit des schlechten Tragens
und schlechter Mitarbeit ergibt sich hieraus
auch ein technischer Mangel. Diese Geräte haben keine Möglichkeit,
einen Zahn körperlich zu führen, da sie nur einen Punktkontakt
mit einem Zahn eingehen. Es erfolgen also überwiegend Kippungen
bei bleibenden Zähnen. Das bedeutet, dass im bleibenden Gebiss überwiegend
festsitzende Geräte (Multiband oder Orthodontie, Brackets - um
einige Begriffe mit gleichem Inhalt zu nennen) zum Einsatz kommen müssen.
Die prinzipielle
Lehrmeinung der Funktionskieferorthopädie, funktionelle
Kräfte einzusetzen, ist eine medizinische Grundregel, ein biologisches
Prinzip, welches jedoch zur Zeit in der jetzigen üblichen Orthodontie
mit festsitzenden Geräten nicht den notwendigen Stellenwert erfährt,
was als ein gefährdender Nachteil für das Parodontium, die
Wurzeln, die Länge
einer Behandlung und den Behandlungserfolg betrachtet werden kann.
© 2000 - Dr.
G. Risse |